DIE KERNFORSCHER

Mitarbeiterführung Katrin Klemm Management ist kein Kinderspiel 10. August 2016

Mitarbeiterführung und Kindererziehung haben de facto eines gemeinsam: sie lassen sich nur am lebenden Objekt lernen. So hart das klingt, ist es oft auch für alle Beteiligten. Trotzdem sind diese zweifellos bemüht, das Beste aus der Situation zu machen, und das ist schon eine gute Vorraussetzung für’s Gelingen. Doch guter Rat ist teuer.

Verkaufstüchtige Buchhandlungen lassen ihre vielen Regalmeter erfolgversprechender Managementliteratur sacht in der kuschelige Ratgeberecke für moderne Pädagogik ausklingen. Denn es scheint nicht nur ein paar echte Parallelen zu geben, sondern auch großen gegenseitigen Nutzen: Lernen Sie zuzuhören, geduldig zu sein; geben Sie Feedback; fördern Sie Selbstständigkeit; äußern Sie angemessene Erwartungen. Setzten Sie gerechte Grenzen; seien Sie authentisch, transparent, ein Vorbild…und so weiter. Die Beziehungsmuster scheinen zunächst vergleichbar (asymmetrisch, sagen Sozialpsychologen, wenn sie relativ ungleich sind) und durchaus kompatibel.

Schwierige Eltern, schwieriger Chef?

So schreibt etwa der dänische Familientherapeut Jesper Juul: „Kinder brauchen Führung. Sie sind gleichwürdig, aber nicht gleichberechtigt. Sie brauchen Eltern, die mehr oder weniger wissen, was sie wollen“ – ebenso, wie es Mitarbeiter von ihrem Chef erwarten. Aber auch andersherum wird für die Psychologen ein Schuh daraus: Konflikte mit dem Vorgesetzten ließen sich auf das schwierige Verhältnis des Mitarbeiters zu Autoritäten zurückführen, dessen Ursprung wiederum in der Elternbeziehung läge, die es für den Mitarbeiter deshalb zu klären gelte.

Aber treiben Sie diese Theorien doch einmal auf die Spitze. Mitarbeiterführung und Kindererziehung. Vertauschen Sie die beiden letzten Teile des Wortes und bezeichnen ihren Führungsstil als Mitarbeiter-Erziehung und ihre Erziehungsansätze als Kinder-Führung. Das klingt nicht nur absurd, das ist es auch. Ich möchte jedenfalls keine Chefin, die mich bemuttert oder gar erzieht. Und als Mutter will ich sicher nicht die Vorgesetzte meines Kindes sein, sondern seine Vertraute – ich hege eine Nähe-Beziehung und keine hierarchische. Erfreulich also, dass es neben all den Befürwortern eines elterlichen Führungsstiles auch Kritiker wie den Philosophen und Management-Autor Reinhard Sprenger gibt: „Als Arbeitgeber habe ich keinen Therapievertrag und auch keinen Erziehungsauftrag. Mitarbeiter sind Erwachsene – und sollten so behandelt werden.“

Mitarbeiterführung als Hausfrauenarbeit?

Sprenger stört sich schon lange am Vergleich von Management und Kindererziehung. Auch auf Modebegriffe wie Authentizität, Visionen, oder Nachhaltigkeit reagiert er allergisch: „Führung wird für Erfolg bezahlt. Nicht für soziale Erwünschtheit.“ In seinem Buch „Radikal führen“ beschreibt er die fünf Kernaufgaben von Führungskräften: Zusammenarbeit organisieren, Transaktionskosten senken, Konflikte entscheiden, Zukunftsfähigkeit sichern, Mitarbeiter führen. Nur zu einem trivialen Vergleich lässt sich Sprenger dann doch hinreißen: Führen sei wie Hausfrauenarbeit . Wie wichtig sie ist, fiele erst auf, wenn sie nicht erledigt wird. Sein Rat aber: „Sie arbeiten nicht mit Kindern, sondern mit Erwachsenen. Die brauchen kein permanentes Lob, steten Kontakt aber schon. Das vermittelt Wertschätzung.“

Wer sich also bei seiner Führungsaufgabe von pädagogischen Ansätzen inspiriert fühlt, sollte das im Hinterkopf behalten und bei all den Parallelen nicht auf die Verwechslung hereinfallen. Sie leiten schließlich ein Unternehmen und keinen Kindergarten.

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Management ist kein Kinderspiel

3 Comments

  1. Pingback: Die 3 wichtigsten Führungsprinzipien

  2. Dominic

    Finde ich echt lustig. Bin bei einer Recherche für einen Beitrag auf eure Seite gestossen. Der Titel finde ich sehr treffend, finde aber doch manche Analogie bei Mitarbeiterführung und Kindererziehung.
    Schau doch gerne mal vorbei unter: http://www.gruenderbook.de/die-3-wichtigsten-fuehrungsprinzipien/

    Ich würde mich freuen.
    Beste Grüsse,
    Dominic

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    • Die Kernforscher

      Hallo Dominic, aus Deiner Sicht gut auf den Punkt gebracht.

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