DIE KERNFORSCHER

Kapitel 12: Voll cool 20. Dezember 2016

Manfred nahm den Finger vom Mikrofon seines Smartphones: “Entschuldigen Sie bitte, Herr Li. Ich musste noch etwas mit meinen Söhnen besprechen, aber jetzt bin ich ganz Ohr”. Er stand auf und ging hinüber in sein Büro. “Herr Schmidt? Wissen Sie überhaupt, wer ich bin?”, hörte er die recht junge Männerstimme vom anderen Ende der Leitung. “Ich kann es mir in etwa vorstellen. Und Herr Dr. Janssen hat mal in einem Gespräch Ihren Namen fallen lassen. Außerdem durfte ich Sie in diesem Frühjahr im Fernsehen bewundern. Sie arbeiten für Míngrì”. “Ganz Recht”.
“Und von wem haben Sie bitte meine Mobilnummer?”, fragte nun Manfred, während er die Tür seines Büroraumes schloss und seinen Wandmonitor einschaltete. “Die hat mir Herr Schmidt gegeben”, antwortete Lian Li und seine Stimme klang beiläufig. Fast gelangweilt. Manfred wusste, dass er sich in Acht nehmen und seine Worte genau wählen musste. Er hatte es hier nicht mit einem hitzköpfigen und eitlen Kevin Schmidt zu tun.

“Wie Ihnen sicher nicht entgangen ist, hat sich Herr Schmidt heute in besonderer Weise mit PocketStreamingTV beschäftigt”, hob Lian an. “Ach, so nennen Sie das also?” “Durchaus”, Lian Li klang noch immer gelangweilt, doch er sprach nun etwas höher als zuvor. Manfred lauschte. Es gab eine Pause von ein paar Sekunden, in denen er gedämpfte Stimmen, Gelächter und Musik hören konnte. Keine Frage, Herr Li saß nicht in einem Büro, sondern an einer Bar oder einem Restaurant. Und er schien auch nicht allein zu sein, womöglich nicht einmal nüchtern.
“Wir bei Míngrì verfolgen ein paar ganz einfache Grundregeln, Herr März. Möchten Sie, dass ich Sie mal mit einer vertraut mache?” “Gern, wenn es nicht zulange dauert”, Manfred sah auf den Bildschirm. Die Kamera zeigte seine Frau Ginger, die mit dem Mikrofon in der Hand durch das Studio ging, zum Publikum und mit den Studiogästen sprach. Jetzt kamen gerade Mareike Janssen und ihr Mann dran. Manfred hatte seine Frau schon lange nicht mehr so glücklich gesehen. Und auch die Janssens schienen recht entspannt.
“Eine wichtige Devise und, meiner persönlichen Überzeugung nach, auch eine tiefe Weisheit liegt in den Zitaten Sun Tzus. Kennen Sie den?” “Gewiss. Aber spannen Sie mich nicht auf die Folter. Was imponiert Ihnen an den tiefen Einsichten Meister Suns?”, fragte Manfred betont arglos. Wie vermutet, führte dies zu einer leichten Irritation seines Gesprächspartners: “Nun ja, äh, Sun Tzu sagt: Wenn Du einen Feind eingekreist hast, lass ihm einen Fluchtweg”.
“Was mich vermuten lässt, dass Sie meinen, mit mir jetzt über einen Fluchtweg für Pocket sprechen zu können, habe ich richtig verstanden?” “Ja, sehen Sie meinen Anruf als eine Geste des guten Willens. Wir hier bei Míngrì stecken derzeit in einer Umbruchphase und wir haben große Pläne für die Zukunft. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Pocket ein Teil dieser Pläne werden könnte”. Wieder eine Pause, die Manfred nutzte, sich ein Diktiergerät zu schnappen und mit dem Handy in der Hand, Richtung Empfang zu stürmen.

22:58 Uhr

“Herr Li, das alles hört sich sehr interessant an”, sagte Manfred: “Wäre es Ihnen Recht, wenn ich es einen Augenblick auf mich wirken lasse? Würden Sie kurz in der Leitung warten? Ich brauche nur ein paar Minuten”. “Ich habe Zeit. Sie können mich aber auch gleich zurückrufen”, bot Lian Li an. Im Hintergrund wurde gekichert. “Nein, es dauert nicht lange. Dafür ist das Gespräch doch viel zu wichtig”, entgegnete Manfred. “Es freut mich, dass Sie es genauso sehen…”, sagte Lian.

Manfred ging am Empfang vorbei, nickte dabei Lesli Mingfei und der Menschentraube am Eingang zu. Gerade als er die Tür zum Treppenhaus öffnete, kam ihm Jennifer Reed entgegen. Die Augen leicht gerötet: “Hab nur eine geraucht”, grinste sie ihn an. “Schon in Ordnung”, sagte Manfred und betrat das Treppenhaus. Er steckte das Smartphone zusammen mit dem Diktiergerät in seine Hosentasche.

Das Treppenhaus war verqualmt und roch würzig süß. “Jennifer!”, seufzte er. Dann war er oben im zweiten Stockwerk angekommen. Um Viertel nach elf würde er mit Rudy seinen Plan ins Rollen bringen.

Manfred lief den Gang entlang und blieb vor der großen Studioscheibe stehen. Der Raum war komplett vollgestopft mit Menschen: Julian und Daniel, die er eben noch eingeweiht hatte, im Gespräch mit Kesha W. McClelland. Eine mögliche neue Moderatorin für Pocket? Seine Frau Ginger, Tim Schumacher, Dr. Torril Laray, die drei Herren vom Fernsehsender, die Janssens, Nia Illies und Georgia Petreira, die kleine Häppchen verteilte. Florian Goldzin, der wieder auf der Bühne spielte. Curtis, der zum Gitarrensound mit dem Kopf wippte. Anabel, die mit Mr. X zusammengekuschelt in der Bühnenecke lag – oder war es Bella? Und dazu noch eine ganze Reihe von Menschen, die Manfred nicht kannte und die wohl darauf hofften, einmal vor der Kamera zu stehen.
“Herr März? Sind Sie noch dran?” hörte Manfred es da aus seiner Hosentasche kommen.

Er sah auf die Uhr: Schon zehn nach elf. Er wandte sich zu Rudy um und signalisierte ihm kurz zu warten, worauf dieser die Studiotür hinter sich schloss. Dann holte Manfred sein Smartphone und das Diktiergerät hervor: “Herr Li? Es tut mir leid, dass Sie warten mussten. Hier geht es wirklich turbulent zu. Aber das brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen”, entschuldigte er sich. “Schon in Ordnung, Herr März. Mir wäre nur wichtig, dass ich Ihnen kurz die Rahmenbedingungen skizziere. Und dann würde ich gern ein Angebot machen. Pocket und Ihnen ganz persönlich!”, stellte Lian Li in Aussicht. “Ja gern, sprechen Sie nur. Sie müssen aber entschuldigen, wenn ich mich im Studio frei bewege. Wir haben hier gerade technisch alle Hände voll zu tun”. “Aber sicher, Herr März. Dafür habe ich vollstes Verständnis”, versicherte Lian. “Gut, Sie warten noch etwas?” “Aber sicher, Herr März”.

Die Tür öffnete sich und Rudy steckte seine Nase heraus. Manfred ging an ihm vorbei in den Technikraum hinein und ließ seinen Blick suchend umherschweifen. Auf dem Pult entdeckte er einen Notizblock. “Herr März, wie Sie sehen, sind Ihre Voraussetzungen nicht die Besten. Aber das macht nichts, denn eins wissen Sie sicher. Ihr tolles Programm hat Zukunft – mit dem richtigen Partner. Einem großen Partner. Einem Partner mit der richtigen Mediapower!” fing Lian an. Manfred machte nicht mehr, als zustimmend zu brummen.

Rudy sah ihn fragend an und wies auf das Smartphone in Manfreds Hand. Doch anstatt ihm zu antworten, holte Manfred einen Stift hervor und kritzelte auf die erste Seite des Blocks: “Míngrì!!! Wir holen die anderen. Alles vorbereitet?” Rudy nickte mit dem Kopf in Richtung eines Bildschirms. Ein Blick reichte Manfred, um zu erkennen, dass Rudy seine Arbeit getan hatte. Er schrieb noch etwas auf zwei weitere Seiten des Blocks, dann lief er los. Der dicke Techniker hinterher.

“Im Moment schwimmen Sie so ziemlich allein in einem großen Teich und Sie ahnen vielleicht, dass das auf Dauer nicht gut gehen wird. Nichtsdestotrotz ist das Konzept von Pocket spannend. Mit ein wenig professioneller Unterstützung, dem richtigen Personal und einer kleinen Finanzspritze könnte etwas wirklich Großes daraus werden. Verstehen Sie?” Manfred brummte wieder, während er mit Rudy nach unten eilte.

23:16 Uhr

Sie erreichten den Empfangsraum, in dem Lesli und Jennifer saßen. Die wartenden Gäste hatten sie in eine Reihe geordnet. Im Moment sprach Lesli mit einem dicken Herrn im dunkelblauen Anzug, der wild gestikulierend auf sie einredete. Jennifer kicherte.

“Sie verstehen, worauf ich hinaus will?”, hörte Manfred Lians Stimme. Er musste Zeit gewinnen: “Noch nicht so ganz, aber erzählen Sie nur”. “Herr März, ich bekomme den Eindruck, dass Sie mich nicht ernstnehmen”, kam es von Lian Lian. “Aber nein, Herr Li. Sie sprachen gerade von der professionellen Unterstützung”, beschwichtigte Manfred. “Aber es wirkt so unruhig bei Ihnen”, Lian klang jetzt ein gutes Stück unsicherer. War er angesäuselt? “Das mag sein, aber ich höre Ihnen zu, Herr Li. Was genau wollen Sie denn jetzt anbieten?”

Manfred betrat den Social-Media-Raum und lief direkt auf Frankas Tisch zu. Sie unterhielt sich mit Wanda. Beide schienen guter Laune. Manfred hielt das Handy in die Luft und aktivierte den Lautsprecher: “Also, wir bieten Ihnen eine Kooperation an. Und wenn Sie, Herr März, als Geschäftsführer noch heute Nacht zustimmen, dann wird sich diese auch für Sie lohnen. Wir sprechen hier von einem sechsstelligen Betrag!” hörten nun alle Lian Lis Stimme. Franka machte dicke Backen und stieß die Luft laut hörbar aus.

“Was war das, Herr März? Es hallt so bei Ihnen? Hört da jemand mit?” “Aber nein, Herr Li. Fahren Sie fort – jetzt wird´s interessant”, versuchte Manfred abzulenken. Er legte den Block auf den Tisch, von dem er die zweite beschriebene Seite abriss und Franka hinhielt: “Lian Li von Míngrì! Es geht los. Holen wir James!” las sie. Er lief wieder los. Franka, Wanda und Rudy folgten im Schlepptau.
Es ging durch die hintere Tür des großen Raumes und dann weiter, in Richtung von James‘ Büro.

“Es ist ganz einfach, Herr März. 1. Sie beenden noch heute Ihr Programm. 2. Wir treffen uns morgen früh bei Ihnen in Hamburg. 3. Sie lösen sich von Janssen Media und gestatten uns, eine Partnerschaft mit Pocket schriftlich zu fixieren. Und binnen einer Woche gehen Sie wieder auf Sendung – als ein Format des neuen Míngrì-Networks. Aber nicht als irgendeins, sondern als unser zukünftiges Spitzenformat”, versuchte ihn Lian Li zu ködern. “Und Sie, Manfred – ich hoffe, ich darf Sie so nennen – bleiben Geschäftsführer. Sie dürfen sogar Ihr Team behalten”, setzte Lian noch einen drauf. “Was meinen Sie?” “Hmmm”, machte Manfred genau in dem Augenblick, als sie James Büro betraten.

Auch James telefonierte. Als er die anderen sah, rollte er mit den Augen. Er kritzelte etwas auf ein PostIt: “Karen. Will nicht kommen!” Doch Manfred hielt sich den Zeigefinger an den Mund und gab ihm den dritten Zettel: “Geht los! JETZT!” James nickte und verabschiedete sich von der Fastersatzmoderatorin. Dann eilten alle nach draußen, den Gang entlang, bis zum Empfangsraum. Rudy, der heftig stöhnte, schnappte sich Lesli Mingfei Schneider und auch Jennifer schloss sich ihnen an. Die Menschen in der Schlange warteten geduldig.

“Überlegen Sie da etwa noch? Irgendwas stimmt doch hier nicht. Herr März!” kam es aus dem Handy-Lautsprecher von Manfred. Die Stimme hallte im Treppenhaus laut wider. Es roch immer noch heftig. Jennifers Kopf lief rot an, aber es interessierte niemanden. “Aber nein, Herr Li. Nur noch ein paar Minuten und ich habe etwas mehr Ruhe. Dann können wir über alles sprechen”, wiegelte Manfred ab.

Die kleine Gruppe, allen voran Manfred, lief Richtung Technik. Manfred verschwand im Raum. James, Franka und Wanda schlüpften hinterher. Lesli und Jennifer blieben an der Tür stehen. Jennifer schaute ins Studio zu Florian. Und Lesli Mingfei Schneider ließ Rudy nicht aus den Augen.

23:26 Uhr

“März, hören Sie noch zu?” “Aber sicher”, Manfred stand nun vor einem großen, roten Knopf, der an der Konsole angebracht war.

“Ich werde den Eindruck nicht los, dass Sie mich gerade auf den Arm nehmen wollen. Und das führt mich zu dem Verdacht, dass Sie noch gar nicht wirklich begriffen haben, was ich Ihnen hier anbiete”, Lian Lis Stimme klang jetzt noch höher und begann zu vibrieren. “Keinesfalls, nur einen Augenblick noch…”, gab Manfred zurück, jetzt hörbar amüsiert. Und Lian Li begann zu ahnen, dass sich der Wind gerade drehte: “Sagt Ihnen der Begriff Blackout etwas? Herr März?”, schrillte es aus dem Lautsprecher. “Herr März, ich versichere Ihnen, wenn Sie mich nicht ernstnehmen, bin ich gezwungen Ihnen zu zeigen, wie ernst ich es meine. Vielleicht ahnen Sie es schon, aber wir sind durchaus in der Lage, Ihnen den Saft abzudrehen. Wenn Sie es wollen, dann können Sie es haben. Ich bin hier parallel mit meinen Experten verbunden… Die brauchen zehn Sekunden und dann sitzen Sie im Dunklen. Verstanden?”, Lian klang jetzt gar nicht mehr so förmlich.
“Herr Li, nur noch einen Moment”. “März, verarschen Sie mich nicht! Entweder Sie signalisieren mir, dass wir ins Geschäft kommen oder ich starte den Countdown. Und zwar jetzt auf der Stelle”, keifte Lian.

Rudy drehte an ein paar Knöpfen, tippte abwechselnd auf zwei Tastaturen herum, betätigte einen Regler und setzte sich seinen Funkkopfhörer auf. Dann sah er Manfred an, hob die Augenbrauen und nickte fragend. “Was ist, März?” “Wenn Sie mich so fragen”. “Was soll das heißen?” “Tja, Herr Li. Mir fällt als Antwort nur ein, was mal ein anderer weiser Gelehrter gesagt hat…” “Wie bitte?” “Nun ja, es liegt nicht so weit zurück, wie bei Meister Sun, aber es stimmt genauso”. “WOLLEN SIE IN DIESER SITUATION SPIELCHEN MIT MIR SPIELEN, MÄRZ? Also gut, ich starte den Countdown! 10…, 9…, Herr März…, 8…”. Manfred nickte Rudy zu, der drückte die Maustaste, worauf hin die Webseite, die bis eben auf dem großen Monitor zu sehen war, verschwand. “Herr März, gleich wird´s dunkel! 7…, 6….”. Rudy lud sie im Browser neu und es erschien eine andere Seite mit Pocket-Logo, auf der nicht mehr ein, sondern sechs kleine Live-Bilder zu sehen waren.
“Mein lieber Herr Li”, sagte Manfred. “Der Satz des Gelehrten ist ganz schlicht und einfach und doch trifft er genau auf diese Situation und auf Sie persönlich zu. Er lautet: ‚Viel zu lernen Du noch hast!’”, grinste Manfred genüsslich. “Und Sie wissen vielleicht, von wem er stammt?” “Äh, Yoda”, kam es hörbar irritiert zurück. “Richtig mein Lieber und während Sie noch etwas darüber nachdenken, zähle ich für Sie zu Ende: 5, 4, 3, 2, 1, los!”

Manfred nickte Rudy zu. Dann drückte er auf den roten Knopf. Dieser begann zu leuchten. Es gab einen ohrenbetäubendes Knacken, dann eine Rückkopplung, die in beiden Etagen zu hören war. In allen Räumen und besonders im Studio. Durch die Scheibe sah Jennifer Reed, wie sich alle die Ohren zuhielten. Manche schrien schrill vor Schreck. Es flackerte kurz auf allen Monitoren. Dann war es still – und stockfinster überall. Das System war komplett heruntergefahren.

Doch Manfred war schon wieder los. Er tastete sich den Gang entlang, zum Haupteingang des Studios und hatte ein seliges Lächeln im Gesicht, als er eintrat.
Im Studioraum war es mucksmäuschenstill. Man konnte noch den letzten Ton der Gitarre hören, der langsam verklang.

Keiner sagte ein Wort, nicht mal die Zwillinge. Alle starrten Manfred an, der nur von den Handy-Bildschirmen beleuchtet wurde. Der nickte, hob genüsslich sein Smartphone weit über den Kopf und zeigte erwartungsvoll grinsend mit dem Zeigefinger darauf. Franka und James kamen hinein und mit ihnen Rudy, Lesli, Wanda und Jennifer.

“Du hast alle eingeweiht?”, fragte er Lesli leise. “Ja, Hell Mälz”, flüsterte Lesli zurück. Jeder von ihnen hatte ein langes, brennendes Streichholz dabei, mit dem sie nun die Kerzen, welche reichlich im Raum verteilt standen, entzündeten. Nach und nach wurde es immer heller. Manfred sah, dass wenigstens sieben von ihnen das Geschehen mit dem Handy filmten. “Herr Li? Können Sie mich noch hören?”, fragte er breit grinsend: “Sind Sie noch da?” Doch über den Handy-Lautsprecher hörte man nur hektisches Getuschel. “Tja, dann können Sie jetzt zur Abwechslung mal mir zuhören”, begann er. Und prompt richteten sich drei Smartphones auf ihn.

23:40 Uhr

“Herr Li?”, flötete Manfred. Doch es kam nur ein verknarztes Grummeln zurück. “Und, Herr Li – kleiner Blackout bei Ihnen?“

Als immer noch keine Antwort kam, ging er in die Mitte des von Kerzen erhellten Raumes und fuhr fort. “Wir fanden Ihre Idee vom Blackout so gut, dass wir einfach einen eigenen gemacht haben. Herr Huber, Rudy, hat eben das gesamte System heruntergefahren. Damit wir Ihre Hacker rausschmeißen und auf Dauer aussperren können”.

“Aber dann sind sie jetzt weg vom Fenster!”, lachte Lian Li, der seine Fassung zurückgewonnen hatte. “Nicht im Geringsten, Herr Li. Schon mal was von Live-Streaming gehört? Ja? Dann wissen Sie, dass wir unsere Kameras gar nicht brauchen, um senden zu können. Haben Sie noch ein Smartphone in der Nähe? Wenn ja, dann rufen Sie doch mal unsere Seite auf…”
Man hörte, wie Lian Li einem Mädchen unter Protest das Handy entwendete. Es dauerte einen Moment, dann gellte sein Schrei durch den Lautsprecher.

“Sehen Sie…”, fuhr Manfred fort. Alle unsere Gäste nehmen mit ihren Smartphones live auf, was hier gerade passiert und streamen den Inhalt auf unsere Website. Moderne Technik”. Gelächter flog durch’s Studio und Florian spielte einen Tusch auf der Gitarre. “Tja, mein lieber Herr Li. Wir senden weiter und wir interessieren uns kein bisschen für Ihre Störungen. Und das Beste: Ich habe Ihr unmoralisches Angebot vorhin mit dem Diktiergerät aufgezeichnet. Sie können sich vielleicht denken, was ich damit mache, wenn Sie Pocket noch einmal zu nahe kommen? Vielleicht spiele ich es aber auch jetzt gleich mal vor”.

“Sie sind doch verrückt, März!” “Ja, das hoffe ich sogar, denn das muss man auch, wenn man mit so einer kuriosen Idee wie PocketStreamingTV was werden will. Doch eins weiß ich: SIE sind bei weitem nicht verrückt genug”. “März, Sie elender…” “Tut mir leid, hier wird der Empfang gerade schlecht. Außerdem gibt es jetzt was zu feiern! Also Jungs: Euer Auftritt”.

Aus der hinteren Ecke der Couchkuhle tauchten Daniel und Florian auf. “Papa, Du bist ja so was von cool”, meinte Daniel leise. Ginger, die hinter ihm stand, lachte. “Ich weiß… und jetzt legt los!” Alle Handys zeigten nun auf die beiden, die mit einem Mal zu den Klängen der Gitarre zu tanzen und singen begannen. Und die Leuchtdioden ihrer Lichtanzüge zeigten abwechselnd auf Ihrer Brust die Textzeilen dazu: They told him don’t you ever come around here”Don’t wanna see your face, you better disappear”

Nach und nach stimmten alle im Studio ein, um gemeinsam gewaltig donnernd den Michael Jackson Refrain zu schmettern: “Just beat it, beat it,….“

 

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