DIE KERNFORSCHER

Portrait: Kevin Schmidt Kapitel 10: Neue Wege 29. März 2014

You got the money, I got the soul
You got the money, I got the soul
You got the money, I got the soul
Can‘t be bought, can‘t be owned

 

Kevin stellte die Musik noch etwas lauter. So laut, dass es in seinen Ohren nur so krachte. Primal Scream. „Kill all Hippies“. Neunziger. Musik, die ihn aufpeitschte, aggressiv machte, aus der Reserve holte. Genau das Richtige, um sich auf das, was kommen sollte, vorzubereiten. Kevin saß am Schreibtisch. Vor ihm das eingeschaltete iPad, das er an seinem Rechner angeschlossen hatte, um sich die neuesten Updates herunter zu laden. Knapp über fünfzig Prozent waren schon durch. Sein Nacken kribbelte angenehm. Sein Kopf nickte unaufhörlich, während er leise zischend mitsang:

 My handle‘s gorgeous, pretty vacant, eh
Subvert normality
Fuuuuuck you!

14:16 Uhr

Kevin hatte eine knappe Dreiviertelstunde Zeit bis die Präsentation begann. Er hatte den Text fertig, die Animationen standen. Eben hatte er noch ein paar freie Sounds aus dem Netz geladen und alles gründlich gecheckt. Wenn es so lief wie geplant würde er eine Präsentation hinlegen, dass es allen die Sprache verschlagen musste. Franka Kruse, die sowieso nur machte, was man ihr sagte. Manfred März, dem er endlich zeigen würde, wo es lang ging. Frank Schlechter, den er zum geeigneten Zeitpunkt noch rumholen würde. Und die drei Chinesen, die sowieso von nichts Ahnung hatten. Kevin grinste, als der Song von vorne begann…

„Hello this is gorgeous, anybody out there read me?“

Es gab keinen Zweifel, dass sich das lange Warten, das Ducken und Katzbuckeln, das Herumschleimen, Körpersprache- und Rhetorik-Training nun endlich doch noch lohnten. Wahrscheinlich hatte er als einziger aus der ganzen Redaktion eine Elite-Uni von innen gesehen, war als einziger ein Jahr in den USA gewesen und als Heavy User in den Sozialen Netzwerken unterwegs. Er hatte Ahnung. Die anderen waren von gestern, Autodidakten ohne Plan. Kevin wippte mit dem Kopf, während er einen Blick auf die Riege der Superheldenfiguren im Regal warf. Triumphierend zwinkerte er zu ihnen herüber und spielte ein paar Akkorde Luftgitarre.

 „Subvert normality“

 

Kevin schaute auf‘s iPad. Die Updates waren zu 97 Prozent heruntergeladen. Noch ein paar Sekunden und… in diesem Moment schaltete sich das Gerät ab. Aus. Der Screen war schwarz. Kevin fingerte daran herum. Doch nichts geschah…

„WAS!?“, schrie er, als wäre es nötig die Musik in seinem Kopfhörer zu übertönen. „Bitte“, Kevin riss sich die Kopfhörer aus den Ohren, wobei sich ein Kabel im Bügel seiner Brille verfing, diese einmal quer durch das Zimmer schleuderte – geradewegs ins Regal, wo sie den unglaublichen Hulk mit sich riss und hinter dem Regal verschwand. Seinen MP3-Player hatte die Fliehkraft auf die andere Seite des Raums befördert, neben das Fenster.

„So ein Scheiß“, schrie Kevin und sprang auf, um seine Brille hinter dem Regal zu suchen. Das Telefon auf dem Schreibtisch klingelte. Kevin seufzte genervt, machte aber dennoch auf der Hacke kehrt, beugte sich über das Telefon und griff zum Hörer: „WAS DENN?“, schnauzte er in die Muschel.

„Cherie“, kam es zurück. „Bist Du es? Kevin, mon amour?“ Seine Freundin Melanie. Ausgerechnet jetzt. „Mel? Wie geht es Dir?“ Kevin versuchte den aggressiven Ton in seiner Stimme zu drosseln, konnte aber nicht verhindern, dass sein Stress deutlich zu hören waren. „Störe ich disch?“, zirpte Melanie wie ein kleiner Vogel an einem Frühlingsmorgen. Kevin wusste genau, was das bedeutete: Es stand Ärger ins Haus. „Mel. Ich habe keine Zeit im Moment. Ich habe gleich die Präsentation. Ist wichtig. Kannst Du…“. Doch seine Freundin schnitt ihm zwitschernd das Wort ab: „Aber mein Schatz. Keine Zeit für misch?“ Kevin knurrte – aber so leise, dass er es selbst nicht hören konnte. „Gut, Süße. Was ist denn? Bitte mach´s kurz.“

Fieberhaft tastete Kevin alle Regalböden ab, während er sich sein Smartphone ans Ohr drückte. Keine Brille.

„Isch muss Disch was fragen.. Aber Du darfst misch nicht böse sein“, druckste Melanie herum. „Was ist denn? Nun mach schon!“

Kevin fiel auf die Knie (ein Glück, dass Melanie ihn so nicht sah) und fingerte immer hektischer unter dem Regal herum. Endlich! Da war sie. Schnell setzte er sich die Brille wieder auf – und wäre fast explodiert. Das linke Glas war an der Seite leicht gesprungen. „Du? Bist Du ma puce?“ So langsam riss Kevin der Geduldsfaden. Doch anstatt sie anzuraunzen, brummelte er nur ein „Jaja“ in den Hörer und widmete sich dann dem iPad. Es gab jetzt größere Probleme.

„Du weißt doch diese Sache mit die Wohnung von André?“ „Ja.“ Das Gerät wollte noch immer nicht starten und die gesamte Präsentation war darauf. „André sagt, er zieht aus. In eine Monat! Mon trésor! Mon trésor…“, Melanies Stimme überschlug sich fast. „… wir können sie kaufen. Gleisch morgen!“ Kevin schüttelte das iPad. Nichts. Genervt nahm er es kurz vom Rechner und stöpselte es gleich darauf wieder ein. Endlich erschien der weiße, angebissene Apfel auf dem schwarzen Screen. „Was Du sagst Kevin? Ist das nischt ‘errlisch?“

Am liebsten hätte Kevin seiner Freundin gesagt, dass sie endlich mit diesem gestellten Akzent aufhören sollte. Schließlich wohnte sie seit ihrem dritten Lebensjahr in Deutschland. Doch in Bademodenmodelkreisen schien er der Karriere wohl zuträglich. Und dann hätte er ihr klar gemacht, dass er gar nicht daran dachte, Unsummen von seinen Eltern zu leihen, nur um von diesem dämlichen Trottel André eine Luxuswohnung zu kaufen. No way! Kevin hasste den eitlen Möchtegern. Er wunderte sich, wie man als männliches Unterhosenmodel nur so viel Geld verdienen konnte. Lautlos und verächtlich äffte er seine Freundin nach „Mon Trésor…“

14:21 Uhr

„Äh, mein Schatz. Können wir nicht nachher darüber reden? Das Ganze will doch wohl überlegt sein…“, versuchte er sie abzuwimmeln. Doch Melanie wusste genau, wie sie seine Weichteile in den Schraubstock zwang: „Ach, immer Du“, tat sie mit einem Mal beleidigt, „mit Deine ganze Arbeitsfimmel. André sagt, wer so viele Arbeit, der muss sein verrückt. Comprends? Verstehst Du?“ Jetzt war es Melanie, die kurz angebunden schien. Da klopfte es an der Tür.

„Aber Mel, meine Blume“, versuchte Kevin die Situation zu retten, so gut das unter Dauerstress eben ging: „Wir sprechen nachher darüber. Im Moment muss ich…“. „Pah!“ war das letzte, was er von seiner Freundin hörte. Danach surrte es leise in der Leitung. Aufgelegt.

Es klopfte noch einmal.

„Gleich“, Kevin atmete tief durch und versuchte sich zu sammeln. Ob man das Gespräch draußen gehört hatte? Mit dem Zeigefinger schob er die Brille hinauf, die zur Nasenspitze gerutscht war. Dann setzte er sein Gewinnerlächeln auf. „Ja bitte?“ Doch seine Worte wurden vom dritten Klopfen übertönt. „Herr Schmidt?“ kam es von draußen. Kevin sprang auf und riss die Tür auf: „Was ist denn?“ Seine angespannte Stimme passte nicht so richtig zu dem automatisierten Grinsen in seinem Gesicht.

Vor ihm stand Frank Schlechter. „Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich beschäftigt bin.“ Kevin hatte sich bereits seinem Schreibtisch zugewandt, um zu sehen, ob das iPad wieder hochgefahren war. War es. Wenigstens ein Lichtblick. „Es tut mir leid, Herr Schmidt. Aber es muss sein.“ Schlechter schien es ernst damit, denn noch bevor Kevin ihn hineingebeten hatte, stand er neben ihm. Er schaute zum iPad: „Alles im Griff?“ „Was?“ Kevin traute seinen Ohren nicht.

„Ob ich alles im Griff habe? Sie können froh sein, dass hier wenigstens einer mitgedacht hat. Plan B! Verstehen Sie? Genauso wie es März vorhin gesagt hat. Plan B!“ Kevin kochte. Das nervige Telefonat mit Melanie steckte ihm noch in den Knochen. Seine freundliche Fassade entglitt ihm – langsam, aber sicher. Allein das Dauerlächeln war ihm irgendwie im Gesicht hängen geblieben. Fast bedrohlich, wie seine Augen böse funkelten. „Und wie ich alles im Griff habe! Das werden Sie schon sehen!“ Kevins Brille war ganz beschlagen vor unterdrückter Wut und Frustration.

Doch Frank Schlechter ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Wenngleich sich ein erster Anflug von Unsicherheit auf seinem Gesicht ausbreitete. Eigentlich war er gekommen, um der Grinsekatz (wie er Schmidt für sich getauft hatte) einen Schuss vor den Bug zu geben. Das war er James schuldig. Was aber, wenn dieser wirklich nicht rechtzeitig kam? Noch etwas über eine halbe Stunde und keiner wusste, wo er steckte.

„Schmidt. Hören Sie zu: Ich will nur sicherstellen, dass hier die Abläufe eingehalten und Rahmenbedingungen beachtet werden. Immerhin ist James Ihr unmittelbarer Vorgesetzter und Sie sollten nicht einmal daran denken die Situation auszunutzen“, versuchte Schlechter nun diplomatisch, aber bestimmt Kevin einzunorden. Doch dieser hatte Fahrt aufgenommen. Es sah zum ersten Mal so aus, als würde er kein Theater spielen, was Frank irgendwie noch mehr verunsicherte.

„Schlechter… Sie meinen, ich will die Situation ausnutzen? Dann will ich Ihnen mal was sagen: Während alle die letzten Tage herumgelaufen sind wie kopflose Hühner und sich auf den ach so feinen Mr. Bridge verlassen haben, habe ich gearbeitet. Ich habe mich hingesetzt, in meiner Freizeit und ohne Aussicht darauf, dass das hier irgend jemand bemerkt, und habe eine komplett eigenständige Präsentation gemacht. Unseren Plan B! Zwei Wochen lang.“ Kevin runzelte böse die Stirn und schob die Unterlippe vor, besser als es jedes Unterhosenmodel vermocht hätte. Noch bevor Frank Schlechter etwas erwidern konnte, stach er noch mal zu.

„Und wissen Sie was? Ich bin vorhin zu Ihnen gekommen, um Ihnen alles zu zeigen. Damit wir ein Ersatzeisen im Feuer haben. Und was machen Sie? Sie zeigen mir die kalte Schulter! Und als alle beim März antreten sollten, was geschah da? Keiner kriegt die Zähne auseinander. Alle schlottern herum und machen sich schnell wieder vom Acker. Aber wer bleibt stehen und hält seinen Kopf hin – obwohl es bestimmt einfacher wäre, sich dünn zu machen? Na?“

„Sie, Herr Schmidt. Ich weiß ja“, Frank Schlechter hatte vollkommen den Faden verloren. Er war auf einen geckenhaften, schwer zu greifenden, aalglatten Kevin vorbereitet gewesen. Doch dieser Kevin sprang ihm direkt ins Gesicht. Und: er hatte die besseren Argumente. Was half es, an sein Gewissen zu appellieren, wenn sie nachher im Konferenzraum blank ziehen mussten? Was half es, wenn auch er am Ende dumm dastehen würde? Vielleicht hatte dieser Kevin Schmidt tatsächlich etwas zu bieten.

„Also gut, Herr Schmidt. Aber ich warne Sie. Machen Sie keinen Heckmeck, wenn Herr Bridge am Ende doch noch pünktlich kommt!“ Frank versuchte sich nun seinerseits aufzublähen und für einen kurzen Augenblick standen sich die beiden fast Brust an Brust gegenüber.

„Sie warnen mich? Meinetwegen. Aber denken Sie mal darüber nach, dass Mr. Bridge wenigstens zwei Stunden bräuchte, um alle Inhalte, Grafiken und Zahlen, die ich ihm die letzte Nacht noch erarbeitet habe, in seine Präsentation einzubauen. Selbst wenn er wollte, würde er es nicht schaffen! Herr Schlechter, ich warne Sie. Sie haben nicht zu Ende gedacht. Und jetzt haben Sie uns beiden wichtige Zeit geraubt und das für Nichts. Nada, Niente. Zero.“ Kevin hatte sich in Rage geredet und sah sich als Sieger aus der Unterhaltung hervorgehen. Er frischte sein Gewinnerlächeln auf und deutete zur noch offen stehenden Tür.

Frank Schlechter sah ihn noch ein paar Sekunden an. Freunde würden sie beide nicht mehr werden, das war klar. Doch Kevin Schmidt hatte Recht. Jetzt fehlte es beiden an Zeit für so etwas: „Nichts für ungut. Ich wünsche Ihnen Glück. Kann ich noch irgendwo bei helfen?“

„Ja, drücken Sie mir die Daumen…“.

Als sein Kollege gegangen war, schaute Kevin Schmidt auf das iPad. Alles schien wieder zu laufen. Er tippte das Präsentationsprogramm an. Es dauerte eine Weile. Kevin merkte, wie sich kalter Schweiß in seinem Nacken sammelte. Da. Die App lud und… stürzte ab. Kevin schnappte nach Luft und ließ nervös sein Kinn kreisen. Wieder und wieder startete er die App. Immer wieder lud sie, um nach einigen Sekunden abzustürzen.

 14:28 Uhr

Kevin fuhr das iPad herunter, um es noch einmal neu zu starten. „Oh Mann, wenn das nicht klappt…“. Er malte sich aus, was geschehen würde, wenn er die Präsentation nicht zum Laufen bekam. Er erschrak fürchterlich als ein „Pling!“ anzeigte, dass eine neue Skype-Nachricht eingegangen war. Er hatte ganz vergessen, dass er die Lautsprecher am Rechner laut gestellt hatte. Das iPad war noch nicht wieder da. Also schaute er nach. Kevin gehörte zu denen, die permanent „on“ waren. Er hatte alle Sozialen Netzwerke immer gleichzeitig geöffnet, um nichts in der Welt zu verpassen.

Marcel Kimme, alias „KimmeundKorn123“, funkte ihn an. Sein bester Freund. Und auch wenn er jetzt nicht einmal dem lieben Gott geantwortet hätte, für Marcel ließ er alles liegen. Selbst die drei Chinesen. Zu eng und schmerzhaft war das Band, das ihre Schicksale miteinander verflochten hatte. „Hi Kev. Eine Sekunde?“ stand dort. „Klar. Kurz.“ Mehr als eine Sekunde verging. Doch Kevin blieb ruhig. Er wusste, dass Marcel nun mal länger zum Tippen brauchte.

„Heute Abend. Acht Uhr. Fährst Du mich?“ „Wohin?“ „Kino“ Kevin besah sich das neue Skype-Profilbild von Marcel. Es zeigte ihn, wie er in den USA einem Superhelden auf irgendeiner Convention die Hand schüttelte. Sein Gesicht strahlte, denn der Held tat so, als würde er ihn mit samt seinem Rollstuhl gleich zu Staub zermalmen. Der Spaß gefiel ihm eindeutig. „Was läuft?“ „Frankenstein. Bist Du dabei?“, kam die Antwort. Kevin dachte kurz nach, dann tippte er: „Ja. Besorgst Du Karten? Bin um halb acht bei Dir“. Sie verabschiedeten sich.

Da, endlich lief das iPad wieder. Kevin tippte, die App startete und… blieb. „Yeah“, jauchzte er und ihm war es egal, ob es irgend jemand hörte. Er schüttelte sich, um den Stress loszuwerden und blickte zum Regal hinüber. Dort standen seine Helden: Unverwüstlich, unbeirrt und unbestechlich… Sollten sie doch alle kommen, die ganzen Bürotrottel, und ihm Angst machen. Ihm war das egal. Frank Schlechter war abgeblitzt und bei dem Gedanken an die kommende Präsentation hatte er glatt so etwas wie Vorfreude im Bauch. Schmetterlinge, so wie beim ersten Date mit Melanie. Die Zeit war auf seiner Seite und er würde…

Da klingelte das Telefon. Schon wieder.

„Schmidt“, Kevin klang jetzt ganz ruhig und souverän.

„Hier Bridge, James Bridge“, Kevin hätte kotzen können. Was wollte der jetzt?

„Schmidt. Ich bin auf dem Weg in den Verlag. Bitte bereiten Sie alles vor“, James wartete etwas ab, dann fuhr er fort: „Ich bin knapp nach drei Uhr zurück. Ich kann nichts mehr vorbereiten, aber wenn Sie mich unterstützen, dann machen wir das Beste daraus“.

„Äh, Herr Bridge…“, Kevin klang erbärmlich. Sein Heldenmut war wie weggeblasen. „…haben Sie Ihren Hund gefunden?“

„Nein, aber ich kann jetzt nichts mehr tun. Wir ziehen das jetzt durch und danach werde ich die Suche fortsetzen.“ Kevins Stimme wanderte in die Höhe: „Aber Sie haben doch überhaupt nicht geübt.“ James wusste genau, dass er Kevin nicht trauen konnte, doch er ließ sich nichts anmerken. „Ich weiß Kevin, aber da müssen wir jetzt durch.“ „Herr Bridge. Herr Bridge“, unterbrach ihn Kevin: „Ich habe da was vorbereitet und ich…“. Jetzt war es James, der ihn unterbrach: „Right. Prima. Dann stellen Sie mir das zusammen. Ich bin hier im Moment noch zu Fuß unterwegs, aber ich beeile mich. Sagen Sie bitte den anderen, dass ich versuche, kurz nach Drei da zu sein.“ Man hörte das Knirschen der Schritte im Schnee. „Gibt es sonst noch was?“ Kevin biss sich auf die Unterlippe. „Äh, nein Herr Bridge. Ich werde alles veranlassen.“ „Dann bis gleich – und: Danke“, James legte auf.

Kevin brauchte eine Weile bis er wieder richtig Luft holen konnte. Das durfte einfach nicht sein. Hatte dieser Inselaffe etwa vor, die Präsentation so einfach aus dem Stand zu halten? Du verdammter Mistbock! Schäbige Arschgeburt! Sackratte! Volltrottel! Kevin wären noch mindestens fünfzig Schimpfwörter eingefallen, von denen er keins aussprach. Stattdessen ging er zu seinem MP3-Player, holte die Kopfhörer und drückte sich die Lautsprecher auf die Ohren. Sofort wurde er von dem noch immer laufenden Song beschallt:

„Can‘t be bought, can‘t be owned,“ sang er laut mit und bemerkte dabei gar nicht, wie ihm vor ohnmächtiger Wut Tränen über die vom Dauergrinsen schmerzenden Wangen liefen.

 

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Katrin Klemm

Portrait: Kevin Schmidt

Kapitel 10: Neue Wege März 29, 2014

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