DIE KERNFORSCHER

Portrait: Bella Bellas Gedanken 4: Wie im Fluge 10. Januar 2017

Jede Geschichte geht einmal vorüber und das Seltsame und Erstaunliche daran ist, dass wir uns gegen Ende hin immer wieder fragen, wo all die Zeit geblieben ist. Am Anfang noch sehen wir auf eine freie Fläche, einen Grund, auf dem alles geschehen kann. Wo alles möglich ist. Dann entspinnt sich darauf das Spiel der Akteure. Wir werden hineingezogen, gehen ganz in der Geschichte auf, formen und verändern sie – werden geformt und verändert. Wir treffen Entscheidungen, fühlen uns zu ihnen hingezogen oder haben Angst vor ihnen. Wir springen über unseren Schatten und sind mutig. Oder wir verkriechen uns so gut wir können und hoffen, dass das Unglück uns verschont. Wir führen auf dieser üppig ausgestatteten Bühne der Möglichkeiten, die wir Leben nennen, unser eigenes Spiel auf. Und mehr und mehr verlieren wir uns in ihm.

Doch in Anfang und Ende einer jeden Geschichte liegt ein tiefer Zauber. Denn wir wissen nicht, wie sie zuende geht. Wir wissen nicht, ob wir noch immer dichter am Ursprung sind oder schon näher am Ausklang. Und das verändert die Art, wie wir uns unserer Geschichte stellen. Das Leben scheint wie im Flug zu vergehen und wir laufen Gefahr, es genau so zu leben.

Es ist nicht viel was ich als Hund weiß, doch eins habe ich verstanden: Jedes Ende ist zugleich der Anfang von irgendetwas Neuem. Das gilt für jeden Moment im Leben, jede Entscheidung, jedes Abenteuer – mag es auch noch so klein sein. Die Kunst liegt darin, jeden dieser Momente nicht nur als einen Teil der Geschichte zu sehen, sondern in seiner Einzigartigkeit. Jede Entscheidung als schöpferischen Prozess und jedes Abenteuer als Einladung des Schicksals an uns. Und wenn wir es schaffen, jede Sekunde so zu leben, als wäre sie eine Minute, jede Minute, als wäre sie eine Stunde, jede Stunde als wäre sie ein Jahr und jedes Jahr, als wäre es das ganze Leben, dann wird Zeit bedeutungslos. Denn wir lieben nicht mehr die Vorstellung von unserem Leben, nicht mehr die Ziele auf die wir hinarbeiten. Wir lieben den Moment und damit das Leben selbst.

Ich liege gerade in meiner Lieblingsecke, gemütlich zusammengekuschelt und weiß nicht, wie weit das Ende meiner Geschichte von mir entfernt ist. Doch das ist mir egal, denn dieser Moment ist der beste in meinem Leben. Mich interessiert nicht, wie die Zeit verfliegt, sondern nur der Flug meines Herzens und der ist ein Zauber für sich.

 

Zum vorherigen Kapitel Zum nächsten Kapitel

Kommentieren

schließen
Portrait: Bella

Bellas Gedanken 4: Wie im Fluge

Schreibe einen Kommentar

control

Portrait: Bella

Bellas Gedanken 4: Wie im Fluge Januar 10, 2017

Kontakt


Suche