DIE KERNFORSCHER

Portrait: Bella Bellas Gedanken 3: Hier 25. März 2014

Grün ist meine Lieblingsfarbe. Denn Grün ist fast alles, was ich schön finde. Und danach kommt gleich Himmelblau. Ich liebe Rasen, auf dem ich toben kann. Hohes, nasses Gras, so wie ich es gerne mag. Ich sehe Sträucher, in denen es aufregend raschelt und überall liegen Dinge herum. Eines interessanter als das andere. Doch viel wichtiger, ergreifender – ja geradezu berauschend sind die Gerüche. Nicht unbedingt die, die die Stadt mir bietet. Nein, vielmehr die, die mir andere Hunde hinterlassen.

Aufgeregt durch die Gegend schnüffeln, die Nase tief in Angelegenheiten stecken, von denen die Menschen sich abwenden: Es gibt nichts Schöneres für einen Hund. Und jeder Wald, jeder Park, jedes noch so kleine Fleckchen Grün, jede gut besuchte Häuserwand entblättert ihr gesamtes Kalendarium. Man riecht sich, teilt sich mit, gibt Geheimnisse preis, weit weg von der Welt der Menschen.

Doch dann wird alles anders. Weiß und undurchdringlich, unbestimmt, aber damit auch um so abenteuerlicher. Und obwohl ich nicht weiß warum, mache ich mich auf den Weg. Über den Bahnsteig. Über die Straße. Über den Bürgersteig. Es zieht mich zu der winzig kleinen Fläche Natur. Eines jener Ressorts, das man Hunden wie mir gelassen hat – in der großen, weiten Stadt.

Zuerst kommt der große Braune. Leinenträger, mit einem breitschultrigen Menschen im Schlepptau, der fast keine Haare mehr auf dem Kopf hat. Gefolgt von zwei langen, hellen Leinenlosen, die mich wild beschnüffeln. Und zum Schluss der dicke Schwarze, schon etwas wackelig auf den Beinen.

Ich frage sie: „Wo bin ich?“ Und der Dicke sagt: „Hier!“ Der große Braune zeigt seine Zähne und guckt mich lauernd an. „Wohin willst Du denn?“, knurrt er. „Woanders hin“, antworte ich und schaue in die Ferne. „Aber da bist du doch schon“, rufen die Hellen im Duett von der anderen Seite des Rasens herüber. Das stimmte natürlich.

So gibt es wenig zu sagen. Ich bin auf mich allein gestellt. Man beschnuppert sich. Der Braune knurrt kurz verständnislos. Dann wird er auch schon weitergezogen. Ein Pfiff und der Schwarze wackelt davon. Auch die beiden Hellen verabschieden sich.

Ich denke kurz darüber nach, ob es so etwas wie ‚woanders‘ tatsächlich gibt. Denn egal, wo man ist, man erreicht es doch nie.

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Katrin Klemm

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